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Abfuhr für Klimasiegel - AGVU erteilt CO2-Fußabdruck schlechte Noten
23. Juli '10In der Diskussion um Maßnahmen zum Klimaschutz hat die Arbeitsgemeinschaft Verpackung und Umwelt (AGVU) einer möglichen Kennzeichnung von Verpackungen mit dem CO2-Fußabdruck eine klare Absage erteilt.
Es bestehe kein politsicher Reglungsbedarf für eine produktbezogene CO2-Kennzeichnung. Das Label auf Verpackungen könne dem postulierten Zweck der Verbraucherinformation und -lenkung nicht gerecht werden, heißt es in den Ergebnissen des zuständigen Arbeitskreises, die Ende letzter Woche in Berlin vorgestellt wurden. Das Gremium war 2008 eingerichtet worden, um eine "qualifizierte Position" des Verbandes zur Ermittlung und Verwendung des "Carbon-Footprint" zu erarbeiten.
Der Kohlenstoff-Fußabdruck tauge nur eingeschränkt als Stellvertreter für andere Umweltwirkungen. Er berge die Gefahr gesamtökologischer Fehlentscheidungen, erläuterte Andreas Detzel vom Heidelberger Ifeu-Institut, der den AGVU-Arbeitskreis inhaltlich begleitet hatte.
Detzel zufolge liefert der Abdruck keine ausreichende Entscheidungsgrundlage für ökologisches und nachhaltiges Handeln. Der Wissenschaftler bemängelte unter anderem das Fehlen einer einheitlichen Berechnungspraxis, um Produkt- und Verpackungskategorien vergleichbar zu machen.
Damit stützt die AGVU die Position des Bundesumweltministeriums (BMU), wonach auf absehbare Zeit weder Datenlage noch Methodik eine wettbewerbsrechtlich durchhaltbare, vergleichbare CO2-Kennzeichnung von Produkten zulassen
Das Herunterbrechen von Ökobilanzergebnissen, wie beispielsweise den Kohlenstoff-Fußabdruck, bewertete Detzel kritisch, weil damit viele andere Auswirkungen auf das Gesamtsystem außer acht gelassen würden. Entscheidungen auf der Basis von Einzelaspekten seien häufig eher politisch und weniger naturwissenschaftlich begründet.
Als "simplifizierend" kritisiert die AGVU das in Großbritannien entwickelte Konzept des Fußabdrucks. In den letzten Jahren seien in Deutschland besonders im Verpackungsbereich umfangreiche Erfahrungen mit Ökobilanzen gesammelt worden. Diese gingen weit über den reduzierten Ansatz des CO2-Ausstoßes hinaus. Mit der Normenreihe ISO 1400 ff gebe es für die Unternehmen bereits ein funktionierendes Instrumentarium. Die von der Politik initiierten Ökobilanzen würden zudem von der Wirtschaft aktiv aufgegriffen und durch eine Vielzahl weiterer Ökobilanzen fortgeführt.
Mit Blick auf die deutschen Erfahrungen mit Ökobilanzen bot der AGVU-Vorsitzende Prof. Dr. Werner Delfmann dem BMU Unterstützung an. "Widersprüchliche Kennzeichnungen im EU-Binnenmarkt belasten die Wirtschaft über Gebühr und verwirren die Verbraucher."
LZ
