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DGE-Ernährungsbericht 2008
20. März '09Der gerade erschienene Ernährungsbericht 2008, herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE), liefert genaue Angaben, inwieweit bestimmte Altersstufen in Deutschland die D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr (= gemeinsame Werte der Ernährungsinstitutionen in den Ländern Deutschland, Österreich und Schweiz) einhalten und bei welchen Nährstoffen Mängel auftreten. Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. (LVN) hat im Folgenden die milchwirtschaftlich relevanten Ausführungen zusammengefasst.
Die Nährstoffe der Milch
Jeder Nährstoff wird im Körper für unterschiedliche Aufgaben und Funktionen verwendet.
Calcium ist für den Aufbau und die Stabilität der Knochen relevant, Magnesium ist unter anderem für die Reizweiterleitung in Muskeln verantwortlich, Jod ist wichtig für die reibungslose Funktion der Schilddrüse und Zink steuert als Bestandteil vieler Enzyme den Ablauf von bestimmten Prozessen im Körper. Bei tierischer Herkunft kann es besser aufgenommen werden als aus pflanzlichen Lebensmitteln.Vitamin A ist am Sehvorgang beteiligt und wichtig für die Bildung von Haut- und Schleimhautzellen.Die B-Vitamine regeln als Bestandteile von Enzymen den Stoffwechsel von Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten. Vitamin B6 ist außerdem für die Immunabwehr, die Blutbildung und für Funktionen im Nervensystem verantwortlich.Vitamin B12 kommt als einziges Vitamin ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor und ist mit Folsäure an der Bildung neuer Zellen, besonders von Blutzellen beteiligt.
Zu wenig Milch und Milchprodukte = zu wenig Calcium
Schon in der Altersstufe der Kleinkinder wird die empfohlene Milchmenge im Mittel nicht erreicht. Die Versorgung mit Calcium, Vitamin A, Riboflavin und Folat war bei den 1-jährigen Kindern zwar günstiger als bei den älteren Kleinkindern, aber der Tagesbedarf der Vitamine und Mineralstoffe wurde meistens nicht gedeckt. Bei den 4- bis 5-jährigen Kleinkindern wurden die Calciumempfehlungen deutlich unterschritten. In der Altersgruppe der Kinder von 6 bis unter 13 Jahren gehörten Milch und Milchprodukte grundsätzlich zu wichtigen Energiequellen. 50 % der Verzehrmenge entfielen auf Trinkmilch. Die Versorgungslage war aber nur vielversprechend, wenn man den Verzehr von Käse und Quark mit einberechnet hat. Die Versorgungssituation der Kinder zeigt sich in dieser Gruppe altersabhängig: die 6- bis 7-jährigen Kinder lagen im Mittel über den Verzehrsempfehlungen, die 7- bis 10-jährigen Jungen erfüllten im Durchschnitt die Empfehlungen und die 10- bis 12-jährigen Jungen lagen knapp darunter, wobei die Mädchen derselben Altersstufen die Empfehlungen nicht erreichten. Daraus ergab sich folgende Situation für die Nährstoffversorgung der Kinder: bei den B-Vitaminen lag sie im Bereich, bei Vitamin A unterhalb und bei Folat deutlich unterhalb der D-A-CH-Referenzwerte. Die empfohlene Calciummenge erreichte noch nicht einmal die Hälfte der Kinder. Obwohl etwa die Hälfte der Jugendlichen (48 % der Jungen und 52 % der Mädchen) weniger Milch und Milchprodukte als empfohlen zu sich nehmen, wird die Verzehrsempfehlung im Mittel erreicht. Im Durchschnitt nehmen die 12- bis 18-Jährigen deshalb genug Calcium, Magnesium und Zink auf. Dabei ist aber zu beachten, dass trotzdem 12 % der Jungen und 23 % der Mädchen etwa 25 % weniger Calcium zu sich nehmen, als empfohlen wird. Die Vitaminversorgung liegt im Rahmen der Zufuhrempfehlungen, nur für Folat ist die Zufuhr deutlich zu gering. Der Verzehr von Milch und Milchprodukten ist bei Senioren erfreulich hoch, weil sich der Verzehr z. B. von Quark auch bei Kau- und Schluckstörungen gut eignet. In stationären Einrichtungen wurden die Verzehrsempfehlungen im Mittel zwar erreicht, jedoch lag der Verzehr in einigen Einrichtungen deutlich unter den Empfehlungen. Die Nährstoffempfehlung bei den B-Vitaminen, bei Folat und bei den Mineralstoffen wurde unterschritten, nur die Zinkzufuhr lag im Mittel im Bereich des Referenzwertes. Besonders deutlich war aber der Abstand zum Referenzwert bei der Calciumzufuhr.
Veränderte Verzehrgewohnheiten bei Milch und Milchprodukten
Der DGE-Ernährungsbericht enthält darüber hinaus auch Daten über den veränderten Lebensmittelverbrauch in Deutschland im Vergleich zu den vergangenen Jahren.Der Verbrauch von Milch, Milchprodukten und Käse zeigte dabei unterschiedliche Entwicklungen. Während der Sahne-, Buttermilch- und Kondensmilchverbrauch im Verlauf der letzten Jahre gesunken ist, blieb der Verbrauch von Butter und nach neueren Erkenntnissen auch der von Konsummilch relativ konstant.Beim Käseverbrauch ist durch den gesteigerten Konsum von Frisch-, Hart-, Schnitt-, Weich- und Schmelzkäse sowie von Schmelzkäsezubereitungen ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen, wobei der Verzehr von Sauermilch- und Kochkäse zurückgegangen ist.
Zusammenfassung und Fazit
Die empfohlenen Verzehrsmengen von Milch und Milchprodukten werden in den meisten Altersstufen noch nicht einmal im Mittel erreicht. Dadurch zieht sich dementsprechend auch die Nährstoffunterversorgung mit Mineralstoffen und Vitaminen, die in Milch und Milchprodukten enthalten sind, durch alle Altersstufen. Der Calciummangel ist dabei das zentrale Thema, welches sich wie ein roter Faden durch alle Altersstufen zieht und im Alter vor allem zu Osteoporoseerkrankungen führen kann. Durch Einhalten der Altersstufe angepassten Verzehrs- und Nährstoffzufuhrempfehlungen, vor allem für Calcium, könnte man dieses Risiko im Alter verringern. Die Zufuhrempfehlungen der Nährstoffe, die vor allem auch in Milch und Milchprodukten vorhanden sind, werden von vielen Kindern und Jugendlichen nicht eingehalten. Um Folgeschäden durch Mangelerscheinungen vorzubeugen, müssen sie vermehrt wieder an einen höheren Verzehr von Milch und Milchprodukten herangeführt werden.
LVN/Licher/Algermissen
