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Landesvereinigung der Milchwirtschaft wählt neuen Vorstand und stellt ihre Arbeit anlässlich der 33. Mitgliederversammlung in Hannover vor

11. November '06

Milchwirtschaftlicher Dachverband: Vorstand und Geschäftsführung neu berufen

Am 7. November beging die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. (LVN) in Isernhagen bei Hannover ihre 33. Mitgliederversammlung. Vorstandsvorsitzender Peter Cornelius konnte insgesamt 180 Gäste, darunter die Vertreter der 22 Mitgliederorganisationen, anlässlich seiner Ansprache begrüßen.

Quoteüberflüssig wie ein Kropf

In einem ausführlichen Grußwort zeigte Landvolkpräsident Werner Hilse den 180 Gästen auf, dass es in Zukunft nicht darum gehe, neue Marktregelungen zu schaffen, sondern die Verbesserung der Chancen auf den Weltmärkten anzusteuern. Diese sieht Hilse für Deutschland insbesondere in der Innovationsführerschaft und der Qualitätsführerschaft. Weltweit gesehen, seien die Land- und Ernährungswirtschaft an einem"Break even"angekommen, das Nachfragepotential wachse, so werde sich der Kalorienbedarf bis 2025 verdoppeln. Energie und Lebensmittel würden knapper, so dass Marktregulierungen wie die Quote überflüssig wie ein Kropf seien. Der geplante Ausstieg aus der Quotenregelung im Jahre 2015 ist seiner Meinung nach zu spät. Er werde sich in der EU für einen Ausstieg in 2013 einsetzen und dabei auf die deutsche Ratspräsidentschaft in Brüssel setzen. Die Landwirte seien bereit für eine Regelung über den Preis.

Der LVN-Vorstandsvorsitzende Peter Cornelius schloss sich in punkto Quotenausstieg den Worten des Landvolkpräsidenten an und wies auf zwei weitere Problembereiche für die milcherzeugenden Landwirte hin: 1. Die Schwierigkeiten bei der Regelung zur Übergabe eines Milcherzeugerbetriebes 2. Die Einrichtung von Vogelschutzgebieten in milchreichen Küstengebieten

QM-Milch - erfolgreicher Abschluss der ersten Hof-Auditperiode

Im Bericht der Geschäftsführung gab der in der Mitgliederversammlung neu bestellte Geschäftsführer der LVN, Dr. Werner Rüther, der weiterhin als Milchreferent im Landvolk Niedersachsen - Landesbauernverband e.V. tätig sein wird, zunächst eine Prognose für den zu erwartenden Milchauszahlungspreis für 2006 ab. Die LVN rechne mit durchschnittlich 26,8 Cent bei durchschnittlichen Inhaltsstoffen. Das wären 0,2 Cent weniger als im Vorjahr. Der Rückgang wäre im Vergleich zum Bundesdurchschnitt unterdurchschnittlich. Im weiteren ging Rüther auf die Ergebnisse im Bereich QM-Milch ein. Seit rund 3 Jahren erfolge in Niedersachsen eine Abnahme der Produktionsbedingungen auf den Milcherzeugerbetrieben im Auftrag der Molkerei. Im sogenannten Hof-Audit wurden insgesamt 13.701 Milcherzeuger auditiert, rund 96 Prozent bestanden das Audit schon im ersten Anlauf. Nur ganz wenige Betriebe bestanden das Audit auchin den Nachaudits nicht und wurden solange von der Milchabholung ausgeschlossen, bis die Auflagen erfüllt waren oder sie haben die Milcherzeugung aufgegeben, so Rüther. Auf Bundesebene sei eine neue Audit-Checkliste u.a. mit Vorschlägen aus Niedersachsen erarbeitet worden, die ab Herbst 2006 in Niedersachsen eingeführt wird. Ebenfalls gebe es eine neue Rahmenvereinbarung mit QS. Durch die Verknüpfung von QS und QM auf Bundesebene könnten jetzt auch Schlachtkühe von QM-Betrieben ohne zusätzliches QS-Audit unter QS vermarktet werden.

Dachverband in den niedersächsischen Regionen vor Ort

Im weiteren Verlauf des Berichtes referierte Dr. Rüther über die Tätigkeitsfelder der LVN im Bereich Werbung. Er stellte die große Zahl der Veranstaltungen zwischen Nordsee und Harz heraus, auf der die Mitarbeiter der LVN die niedersächsische Milchwirtschaft im Jahr 2006 vertraten. Ob in Schulen, landwirtschaftlichen Betrieben, Werkskantinen,auf Sportveranstaltungen, Ausstellungen oder bei Gesundheitstagen in Ministerien und im Landtag - eine Milchbar und Milch-Infos waren stets dabei. Letztere stehen auch im Mittelpunkt einer CD, mit deren Hilfe Ärzte eine individuelle Ernährungsberatung bei Krankheitsbildern wie Osteoporose und Gicht durchführen können. Für die CD konnte die LVN im Laufe des Jahres großes Interesse in Arztpraxen gewinnen. Mit dem Milchlandpreis habe die LVN wieder sehr erfolgreich die moderne, leistungsfähige Milchwirtschaft in den öffentlichen Fokus gerückt. Das Gewinnerehepaar Scholten-Meilink aus demletzten Jahr habe allein 50 Veranstaltungen in ihrer Funktion als"Bester Milcherzeuger"auf ihrem Betrieb durchgeführt. Die neuen Preisträger des Milchlandpreises, mit Mechthild und Hartwig Meyer aus Kettenkamp an der Spitze, seien erneut Botschafter für die Regionen und die verarbeitenden Molkereien. Auf die Einzigartigkeit der Kuh, ihrer Produkte und deren Bedeutung für Niedersachsen weise das Projekt umden KUHPOL, eine Art multifunktionales Gebäude, an und in dem sich alles um die Milch, Milchwirtschaft und selbstverständlich um die Kuh drehen soll, hin. Mit einer Ausstellung zum KUHPOL, in der Grafiken und Modelle eines solchen touristischen Anziehungspunktes gezeigt werden, ist die LVN mittlerweile auf eine Tour durch Niedersachsen gegangen. Nach dem erfolgreichen Auftakt in Oldenburg wanderte die Ausstellung im Herbst weiter über Remels in Ostfriesland nach Cloppenburg. Im nächsten Jahr sind die Ausstellungsorte Emden, Cuxhaven und Lamstedt fest gebucht. Mehrere Gemeinden hätten inzwischen Interesse am Bau eines KUHPOLs gezeigt."Wir können davon ausgehen, dass der KUHPOL keine Vision bleiben wird", so Rüther zum Abschluss seines Berichtes.

Prüfungen und Finanzpläne

Im weiteren Verlauf der Tagesordnung berichtete Johannes Freundlieb - NWPG Treuhand GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Oldenburg - über eine beanstandungsfreie Prüfung der Jahresrechnung und der Jahresabschlüsse für das Rechnungsjahr 2005 und Heinz Korte über eine beanstandungsfreie Kassenprüfung. Die Genehmigung der Jahresrechnung und des Jahresabschlusses erfolgte ebenso einstimmig wie die Entlastung des Vorstandes und der Geschäftsführung.

Als neuer Kassenprüfer wurde Eberhard Mysegades gewählt, der dann mit dem wiedergewählten Sönke Voss das Jahr 2006 prüft. Weiterhin sprach sich die Mitgliederversammlung einstimmig für die Beauftragung der NWPG Treuhand GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Oldenburg, für die nächste Abschlussprüfung aus. Einen umfassenden Überblick über die Umlageverwendung 2007 gab im Anschluss die ebenfalls während der Mitgliedersammlung neu bestellte Geschäftsführerin Kristine Kindler. Dabei ging sie ausführlich auf die Einnahmen- und Ausgabensituation der Umlageverwendung sowie der LVN im Rahmen der Institutionellen Förderung ein. Sie berichtete über die einzelnen Titelansätze und die daraus zu finanzierenden Maßnahmen. Im Jahr 2007 würden auf Basis von 4,9 Milliarden kg Milch gut 3 Mio. Euro Umlage aufkommen. Die Ausgaben des wirtschaftlichen Geschäftsbetriebes der LVN, in dessen Rahmen die Maßnahmenhaushalte"Werbung"und"Qualität"bewirtschaftet werden, würden aufgrund der Vorsteuerabzugsberechtigung erfreulicherweise unabhängig von der Mehrwertsteuererhöhung bleiben. Abschließend ging Kindler auf die Entwicklung des Personalbereiches der LVN ein. Seit 1987 seien 46 % der Stellen und 17 % der Personalkosten abgebaut worden. Die noch verbliebenenrd. 20 Stellen stellten aber das nicht mehr zu unterschreitende Limit dar.

Die Abstimmungüber den vorgelegten Umlageverwendungsplan und den Wirtschaftsplan für das Haushaltsjahr 2007 erfolgte einstimmig. Er wird als Vorschlag bei der Bewilligungsbehörde eingereicht.

Wechsel im Vorstand und Bestellung der Geschäftsführung

Einen besonderen Dank richtete Peter Cornelius an Hans-Georg Wilckens, der die LVN als zweiter Vorsitzender in den letzten fünf Jahren mit viel Engagement und als kompetenter Verhandlungspartner geführt und unterstützt habe. Als Zeichen der Anerkennung wurde Herr Wilckens mit einer Goldenen Olga-Ehrennadel ausgezeichnet und erhielt von der Belegschaft ein von dieser ganz besonders gestaltetes"schwarzbuntes Kuhmodell". Er tritt nach der Mitgliederversammlung seinen wohlverdienten Ruhestand an, für den ihm viele gute Wünsche auf den Weg gegeben wurden. Zum Nachfolger wurde Jan Heusmann aus Loxstedt bei Bremerhaven gewählt. Er bewirtschaftet dort gemeinsam mit seinem Bruder einen Betrieb mit 330 Milchkühen und liefert deren Milch an die Nordmilch.

Offiziell bestellt wurden auch die beiden neuen Geschäftsführer der LVN, Kristine Kindler und Dr. Werner Rüther, die die Geschäftsführung der LVN in Nachfolge von Karl Osmers bereits seit Juli 2006 übernommen hatten. Die Mitgliederversammlung 2005 hatte bereits ihre Zustimmung zur Übertragung der Geschäftsbereiche"Werbung"und"Verwaltung"an Frau Kindler und den Geschäftsbereich"Qualität"an Herrn Dr. Rüther zugestimmt. Die aufgrund der nunmehr gleichberechtigten Geschäftsführung erforderlichen Änderungen der Satzung und der Vereinsordnung wurden einstimmig genehmigt.

Milcherzeugung und Milchverarbeitung müssen bis spätestens 2015 weltmarktfähig sein

Zu dieser Schlussfolgerung kam der Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke aus dem niedersächsischen Ministerium für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in seinem Vortrag zum Thema"Der Milchmarkt unter agrarpolitischem Anpassungsdruck". Bei den Milcherzeugern gebe es derzeit entgegen allgemeiner Erwartung eine befriedigende Einkommenssituation. Die Erzeugerpreise seien deutlich weniger gesunken als es durch die Absenkung der Interventionspreise erwartet worden war. Dies sei auch den großen Anstrengungen und teilweise schmerzhaften Rationalisierungsschritten der Molkereien zu verdanken. Doch hinsichtlich der Quotenausstattung liege Niedersachsen zwar im Bundesvergleich mit ganz vorne, im Vergleich zu anderen EU-Ländern aber weit zurück. Auch die Milchindustrie in Niedersachsen sei, gemessen an anderen Bundesländern, gut aufgestellt; im EU- und Weltmaßstab aber noch zu klein, um auf Dauer wettbewerbsfähig zu sein.

Angesichts der WTO-Forderungen nach nachhaltiger Senkung der Exportförderung und der Aufhebung der Importbeschränkungen für Milchprodukte werde die Milchquotenregelung immer problematischer. Die Tendenz deute auf weitere Annäherung der Weltmarktpreise für Milchprodukte an die Preise in der EU hin. Auch von daher werde sich eine Quotenregelung erübrigen, weil sie die Exportchancen der EU auf Dauer eher behindere. Die Milchwirtschaft tue gut daran, sich verstärkt dem internationalen Wettbewerb zu stellen. Denn die Quotenregelung laufe spätestens zum 01.04.2015 aus. Deshalb werde sich die Milchwirtschaft rechtzeitig auf die veränderte Situation einstellen müssen, sei es durch die Erschließung neuer Märkte oder durch geänderte vertragliche Vereinbarungen zwischen Molkereien und Milcherzeugern. Aufgabe des Staates werde es in den kommenden Jahren sein, die Rahmenbedingungen den veränderten Verhältnissen anzupassen. Zunächst sei davon auszugehen, dass ab 2007 die vorgesehene Bildung von nur noch zwei Verkaufsgebieten für Milchquoten in Deutschland einen dämpfenden Effekt auf die Quotenpreise haben werde. Ab 2010 rechne man dann mit der bundesweiten Handelbarkeit von Milchquoten. Er wünsche sich, dass die Quotenpreise rasch gegen Null tendieren und damit zu einer spürbaren finanziellen Entlastung der expansionswilligen Milcherzeuger führten. In Norddeutschland zeige sich ein wachsender Optimismus und eine damit verbundene Investitionsbereitschaft bei den Milcherzeugern. Das Land unterstütze diese Entwicklung durch umfangreicheFörderangebote für Milcherzeuger. An erster Stelle sei hier das AFP zu nennen: Insgesamt flössen ab dem nächsten Jahr 60 % der gesamten Fördermittel des AFP an Rindvieh haltende Betriebe. Darüber hinaus eröffne das Niedersächsische Agrarumweltprogramm den Milcherzeugern neue Fördermöglichkeiten, z.B. im Wegebau. Weiterhin werde er sich für die Förderung der Sommerweidehaltung einsetzen. Für die ausgeweiteten Vogelschutzgebiete würde das ML keine Auflagen erheben, um den dort arbeitenden Betrieben ein Wachstum zu ermöglichen. Vorrangiges Ziel müsse es sein, die niedersächsischeLandwirtschaft bis 2015 wettbewerbsfähig für den Weltmarkt zu machen, dabei seien aber strukturelle Anpassungen, sowohl für die Milcherzeuger als auch für die Molkereien, notwendig. Den Landwirten sprach der Staatssekretär seinen Dank aus und ermutigte sie, die Eigenkontrollen auf den Höfen beizubehalten.

Auch Hans-Georg Wilckens forderte in seinen abschließenden Worten"freie Bahn für den Weltmarkt". Er gratulierte seinem Nachfolger Jan Heusmann zur Wahl und wünschte diesem viel Erfolg bei seiner neuen Aufgabe. Wilckens bedankte sich bei der Geschäftsführung und den LVN-Mitarbeitern, die"hochmotiviert für uns Milcherzeuger arbeiten"und bei Peter Cornelius für die offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Bilder zur dieser Veranstaltung finden Sie hier LVN/Licher