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Information zum Beitrag"Wie gesund ist Milch wirklich?" in Sendung Markt in N3

28. Januar '06

Am Montagabend lief in der Sendung Markt in N3 ein Beitrag zum Thema"Wie gesund ist Milch wirklich?", der das angesprochene Thema erschreckend einseitig beleuchtete. Leider kamen keine Interviewpartner renommierter,öffentlicher Institute zu Wort, sondern Personen, die nach Internetrecherchen keinerlei Ernährungsexperten sind. Sollten Sie Anfragen erhalten, die nach den angesprochenen Fakten fragen, empfehlen wir Ihnen, den nachfolgend abgedruckten Text zu nutzen oder die Anfragen direkt an uns weiter zu leiten. Für unsere Molkereien haben wir weitergehende Informationen auf unserer Homepage www.milchland-niedersachsen.de 

Nachfolgend einige Ausführungen der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel (BfEL) zum Thema: Kann Milch Krebs fördern? Diese Frage wird seit vielen Jahren untersucht, und einer ganzen Reihe epidemiologischer Studien konnte eine positive Assoziation zwischen dem Milch(produkte)verzehr und der Inzidenz von Prostatakrebs gezeigt werden. Eine vergleichbar große Zahl von Untersuchungen zeigte allerdings keinen Effekt. Die Ätiologie des Prostatakarzinoms ist noch weitgehend unbekannt, doch gelten Übergewicht und eine hohe Zufuhr von Energie und Fetten, insbesondere von gesättigten oder auch von a-Linolsäure als Risikofaktoren. Auch eine hohe Calciumzufuhr wird als Risikofaktor für das Prostatakarzinom angenommen (Zielkonflikt mit Osteoporoseprävention), wobei damit argumentiert wird, dass sie den Vitamin D-Spiegel im Plasma senkt. Das amerikanische Institute for Cancer Research (WCRF/AICR(1997) Food, nutrition and the prevention of cancer: a global perspective. World Cancer Research Fund, London and American Institute for Cancer Research, Washington) kam vor einigen Jahren zu dem Schluss, dass ein hoher Verzehr fettreicher Milchprodukte und/oder eine hohe Calciumaufnahme ein Risikofaktor sein könnte, die widersprüchliche Datenlage aber keine endgültige Aussage erlaube. Wenn, wie im Beitrag gesagt, 3 x 5g Butter das Prostatakrebsrisiko in gleicher Weise steigern sollen (um 9%) wie 3 große (244 ml) Gläser Milch, so spräche dies eher gegen die Calciumhypothese, da Butter nur wenig Calcium enthält. Außerdem weisen die Autoren der Studie auf die bekannten positiven Wirkungen von Milch und Milchprodukten in Bezug auf Osteoporose, Bluthochdruck und Dickdarmkrebs hin. Die Empfehlung an das amerikanische Gesundheitssystem lautet, die Zufuhrempfehlungen bezüglich Milch und Milchprodukten allenfalls für ältere Männer zu revidieren.

Millionen vertragen keine Milch Ca. 80% der Weltbevölkerung verlieren mit dem Erwachsenwerden (was in einigen Regionen der Erde schon ab dem 4. Lebensjahr beginnen kann) mehr oder weniger ihre intestinale Laktaseaktivität und damit die Fähigkeit Milchzucker zu verdauen (Laktose-Malabsorption). Unverdaute Laktose gelangt in den Dickdarm, wo sie der Darmflora als Fermentationssubstrat dient. Dies führt bei einem Teil (dessen Anteil weltweit gesehen nicht bekannt ist) zu typischen Beschwerden wie starker Gasentwicklung und Blähungen, Unterleibsschmerz oder Durchfall. Selbst unter diesen laktoseintoleranten Personen gibt es viele, die zumindest kleine Mengen Milch (£200 ml) langsam und im Rahmen einer Mahlzeit verzehrt, beschwerdenfrei vertragen. Fermentierte Milchprodukte werden von Laktosemalabsorbern meist besser als Milch vertragen, und in Milchprodukten wie Schnittkäse, Butter oder laktosearmer- bzw. laktosefreier Milch ist nur wenig oder kein Milchzucker enthalten. In Nord- und Mitteleuropa sowie in den von hier stammenden Bevölkerungsgruppen Nordamerikas und Australien/Neuseelands ist der Anteil der Laktosemalabsorber viel niedriger, er liegt zwischen 3 und 20%. In Deutschland zählen rund 15% der erwachsenen Bevölkerung zu den Laktose-Malabsorbern, in Immigrantengruppen liegt, je nach Herkunft, der Anteil höher. Nur rund die Hälfte der Laktosemalabsorber verspürt nach Milchverzehr die oben genannten Beschwerden, ist also laktoseintolerant. Aber auch diese Personen müssen auf Milch nicht verzichten; fermentierte Milchprodukte werden meist gut vertragen, Butter und gereifte (Schnitt)Käse enthalten wenig bis gar keine Laktose, und durch Hydrolyse von der Laktose befreite Milch ist seit längerem auf dem Markt. Insgesamt stellt Laktosemalabsorption kein Problem dar und ist auch nicht mit verborgenen Risiken behaftet: wer auf Grund des Laktoseverzehrs Beschwerden verspürt, verzichtet auf den Verzehr laktosereicher Lebensmittel und kann dabei auf die oben genannten Produkte zurückgreifen.

Offenbar hat die Fernsehredaktion versucht, diese unspektakuläre Aussage etwas"aufzumotzen"und jedem Zuschauer, der bislang der Auffassung war, er vertrüge Milch, ein auf ihn anwendbares Symptomebild zu liefern. Dazu hat sie, ohne es für den Laien kenntlich zu machen, Laktoseintoleranz und Kuhmilchallergie durcheinander geworfen und die Häufigkeit von Laktosemalabsorption mit der Symptomatik von Kuhmilchallergie gekreuzt. Dr. Reckel testet auf Milchallergie, und der Gentest wird nicht für den Nachweis einer Laktosemalabsorption benötigt, ein einfacher, nicht invasiver Atemwasserstofftest liefert in der Regel ebenfalls die notwendige Information. Ansonsten bleibt festzuhalten, dass prinzipiell jedes Lebensmittel unter ungünstigen Umständen eine Allergie auslösen kann und dass dieses nichts damit zu tun hat, ob es sich um ein"gesundes"oder"ungesundes"Lebensmittel handelt

Milch kann Kinder dick machen Dasselbe redaktionelle Prinzip schein auch dem letzten Abschnitt zu Grunde zu liegen. Die Tatsachen, dass Milch ca. 4,5% Laktose enthält, oder dass sich Kuh- und Muttermilch voneinander unterscheiden (unterschiedlicher Wachstumsleistungen und somit Nährstoffansprüchen von Kalb und Säugling) und daher Kuhmilch in den ersten Lebensmonaten für den Säugling nicht geeignet ist, sondern zunächst adaptiert werden muss, sind seitüber 100 Jahren bekannt. Offenbar um trotzdem etwas spektakuläreres bringen zu können, wurde die Aussage des Kinderarztes in der Sendung grob verfälscht. Dieser hatte vor übermäßig zucker- und fettreichen Produkten gewarnt, die durch Zusatz von ein Wenig aus der Milch werbemäßig, aber nichtgesundheitlich aufgewertet würden. Er hatte aber nicht, wie die Redaktion, vor Milch gewarnt. Auch die Aussage, Milch würde viel Zucker enthalten, ist in diesem Zusammenhang irreführend. Zum einen ist, was die ernährungsphysiologische Wirkung angeht, Laktose mit Haushaltszucker nicht zu vergleichen. Zum anderen klingen die 45 g Laktose, die natürlicherweise in einem Liter Milch enthalten sind, zwar gewaltig, entsprechen aber nur 4,5%. Damit enthalten die meisten Getränke - mit Ausnahme von Mineralwässern, ungesüßtem Kaffee oder ungesüßten Tees - mehr Zucker (bzw. eine äquivalenteMenge Alkohol) als Milch. Darüber hinaus liegen zahlreiche Untersuchungen vor, die dafür sprechen, dass ein höherer Milchverzehr eher mit geringerem Übergewicht und dessen Folgeerkrankungen verbunden ist, vor allem mit dem Metabolischen Syndrom.

Die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) rät in ihren"10 Ernährungsregeln", täglich Milch und Milchprodukte (Milch / Joghurt 200-250 g, Käse 50-60g), am besten fettarme Produkte, zu verzehren. LVN/Kindler